Wie wäre es mit ein bisschen mehr Echtheit?

Der Jahreswechsel liegt hinter uns – und in normaleren Zeiten würden sie nun anstehen: Die Neujahrsempfänge diverser Wirtschafts- und Unternehmerverbände. Eins ist mir dabei in den letzten Jahren immer wieder aufgefallen: Wie unsagbar austauschbar die Menschen doch aussehen und auftreten.

Zugegeben, bei Männern schlimmer, als bei den Frauen, die durch Frisur, Make-up und manchmal sogar Kleidung ein winziges bisschen vermeintliche Individualität bewahrt haben. Alles in allem aber eher sehr uniformierte Veranstaltungen. Nach dem vierten Herrn in dunkelgrauem Anzug und weißem Hemd, mit modischem Kurzhaarschnitt und „Ich drücke meine Individualität durch die Wahl meiner Krawatte aus“ weiß man nicht mehr so richtig, wer der erste überhaupt war.

Professionelle Uniformen

Auf solchen Empfängen, auf Messen und anderen Veranstaltungen fällt dieses Uniform-Phänomen mehr auf, als im Alltag. Dort treffen wir ja meisten nur auf einen oder zwei professionell Uniformierte. Der Effekt ist allerdings derselbe: Personen und Persönlichkeiten verwaschen zu einem Einheitsgrau.

Manchmal muss ich in solchen Momenten an meine Zeit als Bewerbertrainerin zurückdenken (was tut man nicht alles für Geld). Damals habe ich den Leuten gesagt: Fallt auf! Natürlich begebt ihr euch damit in die Gefahr, negativ aufzufallen, wenn eure Art dem anderen so gar nicht liegt. Aber die Gefahr, in der grauen Masse nicht wahrgenommen zu werden, ist deutlich größer. Genau das tun sie aber, all die Anwälte, Finanzberater, Steuerberater, Unternehmensberater, Berater-Berater. Sie uniformieren sich und gehen unter, sind austauschbare Gestalten, die wenig bleibenden Eindruck hinterlassen. Versteckt in professionellen Uniformen, die „man“ halt erwartet. Aber wer bitte erwartet das? Sind es wirklich die Klienten, Mandanten und Kunden?

Professionalität bedeutet nicht, es jedem Recht zu machen

Sagt der schicke, graue Anzug, sagt das Business-Kostümchen wirklich etwas über die Fähigkeiten eines Menschen aus? Wir sind uns wohl einig, dass nicht. Ob der Mensch wirklich etwas auf dem Kasten hat oder nicht, zeigt sich ohnehin erst später. Ob wir es mit einem Menschen zu tun haben, mit dem wir uns verstehen, versteckt die Uniform aber. Mir persönlich ist der Anwalt, der ein Gespräch im Motörhead – Shirt führt, ein Steuerberater, der Gitarren als Deko im Büro hängen hat, ein Finanzberater, der seinen Hund im Büro liegen hat oder ein Unternehmensberater, der in Lederjacke und Motorradstiefeln zu mir kommt, definitiv lieber, als die grauen Damen und Herren. Natürlich sieht das nicht jeder so. Natürlich fände jemand anderes eine Katze besser, ein Familienfoto, Chucks oder meinetwegen auch Helene Fischer. Aber das ist doch auch ok. Es gibt genug zu tun – für alle. Und genug Schnittmengen. Wenn alles andere passt, wäre nicht mal Schlager für mich ein K.O.-Kriterium. Solange der Mensch „echt“ ist.

Das Stock-Photo – Phänomen

Vor einigen Jahren sagte ein Kunde mir: „Ich finde Sie total cool. Wir liegen in vielem auf einer Wellenlänge. Und das ist wichtig. Ich will Sie zwar nicht heiraten, aber wenn wir jetzt einen längerfristigen Vertrag machen, ist das ja schon ein bisschen wie verlobt. Und da ist Sympathie wichtig.“ Dieser Satz fasst wundervoll zusammen, worum es geht, wenn ich das „Echt sein“ fordere: Wer sich immer verbiegt und verdreht, wer sich immer anpasst, um es allen Recht zu machen, der verliert sich irgendwann selbst und damit auch viel Strahlkraft.

Vergleichbar ist das Ganze mit dem Stock Photo – Phänomen. Eine Untersuchung ergab vor einigen Jahren, dass Menschen Stock Bilder von „echten“ Bildern nicht nur unterscheiden können, sie reagieren auf die echten, individuellen Bilder auch deutlich positiver.

Warum also verwandeln sich Menschen, besonders in beratenden Berufen, so oft in wandelnde Kopien voneinander? Schlimmer noch – sie richten auch Ihre Büros maximal uniform ein und ihre Websites sind so austauschbar, wie die Menschen in den Uniformen.

Das Bestreben, nichts falsches zu tun

Wer beratend tätig ist, ist auf das Wohlwollen derer angewiesen, die die Rechnungen zahlen – klar.

Daraus ergibt sich der Versuch, es möglichst vielen möglichst recht zu machen. Aber genau da sind wir wieder bei den Bewerbertrainings und der grauen Masse. Denn egal, ob man einen Job sucht, einen Auftraggeber, einen Mandanten, einen Klienten, einen Kunden (oder auch Mitarbeiter, aber das ist nochmal ein eigenes Thema…) am Ende ist alles immer die Vermarktung von etwas: Arbeitszeit, Wissen, einer Dienstleistung. Aber eben auch der Person, die dahinter steht.

Wiedererkennungswert und Wert

Wer sich uniformiert, verkauft vermutlich auch eine Dienstleistung. Dabei will niemand einen Anwalt engagieren, einen Steuerberater beauftragen, sich von einem Finanzberater beraten lassen.

Wir haben ein Problem – und das wollen wir gelöst haben. Es gibt den netten Spruch: „Niemand will eine Bohrmaschine – die Leute wollen ein Loch in der Wand“. Und genau das müssen die beratenden Berufe lernen: Lösungen verkaufen, nicht Leistungen. Wer es schafft, als Dienstleister seinen Kunden Lösungen zu verkaufen, statt Leistungen, der schafft einen Wert.

Und wer einen Wert verkauft, der braucht einen Wiedererkennungswert – denn nur, wenn das äußere Auftreten und das innere des Menschen im Einklang sind, entsteht etwas wie Authentizität. Auch wenn der Begriff arg ausgelutscht ist und nicht meint, auf Teufel komm raus „anders“ zu sein, so bedeutet er eben sehr wohl, man selbst zu sein. Nicht eine Figur in einem Anzug, einem Kostüm, einer Uniform. Wer sich optisch austauschbar macht, wird es früher oder später auch gefühlt inhaltlich.

AH, stopp! Am Ende noch der Werbeblock!

Wer Lust hat, sie graue Masse zu verlassen, wer Lust darauf hat, mich, die ich ganz sicher nicht uniformiert komme, dem eigenen Team mal Impulse geben zu lassen, einen Workshop mit mir zu machen oder einfach nur einen Kaffee zu trinken und mal gemeinsam zu überlegen, was ich vielleicht für EUCH tun kann, der darf sich natürlich gerne melden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!